6 Top-Erkenntnisse des Berkshire Hathaway Shareholder Letter 2024
Da ist er, der Berkshire Hathaway Shareholder Letter 2024. In seinem jährlichen Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway feierte Warren Buffett die Erfolge der Unternehmen von Berkshire Hathaway im vergangenen Jahr und den 60 Jahren zuvor. Er gab auch Präsident Donald Trump einige Ratschläge. Buffett begann den Brief mit dem Eingeständnis, dass er im Laufe der Jahre gelegentlich Fehler gemacht habe. Für seinem zukünftigen Nachfolger, Greg Abel, hatte er ach einige lobende Worte parat. Ich freue mich jedes Jahr sehr über den Berkshire Hathaway Shareholder Letter, da der Brief neben spannenden Insights ein tolles Fazit von einem der besten Investoren unserer Zeit bereit hält. In dem folgenden Beitrag möchte ich den Berkshire Hathaway Shareholder Letter 2024 für dich zusammenfassen.
1. Warren Buffet und Berkshire machen auch Fehler
Dies ist meiner Meinung nach einer der interessantesten Abschnitte im diesjährigen Berkshire Hathaway Shareholder Letter 2024: Warren Buffett spart in seinem neuesten Aktionärsbrief nicht mit Selbstkritik. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch seine Ausführungen zieht, ist der Umgang mit Fehlern. Buffett gesteht offen Fehler bei der Bewertung zukünftiger Geschäftsentwicklungen und bei der Auswahl von Managern ein. Für einen Schmunzler sorgte bei mir der Nebensatz, dass sein Nachfolger Greg Abel aber keiner dieser Fehler gewesen sei. Um beim Thema zu bleiben: Buffett kündigt an, dass Greg Abel ihn bald als CEO ablösen wird und die jährlichen Aktionärsbriefe verfassen wird. Abel teile die gleiche Verpflichtung zur Ehrlichkeit und Transparenz gegenüber den Aktionären.
Warren Buffet unterstreicht, dass das größte Problem nicht das Machen von Fehlern ist, sondern das Zögern bei deren Korrektur. Buffett zitiert Charlie Munger, der das Zögern als „Daumenlutschen“ bezeichnete und betonte, dass Probleme aktives Handeln erfordern. Buffett kritisiert die oft mangelnde Fehlerkultur in großen Unternehmen. Er hebt hervor, dass er selbst in seinen Briefen der letzten Jahre regelmäßig Fehler eingestanden hat, im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, die sich auf „Happy Talk“ beschränken. Da ich selbst in einem verhältnismäßig großem Unternehmen arbeiten, kann ich den Eindruck voll und ganz verstehen. Auch spannend: Er lobt Amazon für seine Offenheit.

2. Ein Loblied auf Pete Liegl
Warren Buffett widmet einen bedeutenden Teil seines aktuellen Aktionärsbriefes Pete Liegl. Viele Berkshire-Aktionären hat der Name nicht viel gesagt. Mir auch nicht. Dabei hat Pete Liegl maßgeblich zum Vermögen beigetragen. Liegl war der Gründer von Forest River, einem Hersteller von Freizeitfahrzeugen. Er verstarb im November 2024 im Alter von 80 Jahren. Buffett beschreibt, wie er 2005 durch einen Vermittler auf Liegl aufmerksam wurde. Dieser wollte sein Unternehmen direkt an Berkshire verkaufen und nannte dabei auch gleich seinen Preis. Genau die Herangehensweise, die Buffett schätzte. Nach einer kurzen Prüfung und einem persönlichen Treffen in Omaha, bei dem Liegl seine Frau und Tochter mitbrachte, kam es schnell zu einer Einigung.
Besonders bemerkenswert war Liegls Bescheidenheit bei der Frage nach seinem Gehalt. Er orientierte sich an Buffetts eigener Vergütung und schlug ein Jahresgehalt von 100.000 Dollar plus Boni vor. Ein weiterer wichtiger Punkt, den Buffett anspricht, ist seine Haltung zur Ausbildung von Führungskräften. Er betont, dass er bei der Auswahl von CEOs niemals auf deren akademischen Hintergrund achtet. Er verweist auf Beispiele wie Bill Gates und Ben Rosner, die trotz begrenzter formaler Bildung außergewöhnliche Erfolge erzielten. Buffett glaubt, dass ein großer Teil des unternehmerischen Talents angeboren ist. Ach Pete Liegl war für ihn ein Paradebeispiel dafür.

3. Berkshire Hathaway 2024 – Ein Jahr der soliden Performance und strategischen Anpassungen
Warren Buffett berichtet für Berkshire Hathaway von erfolgreichen Jahr 2024. Sehr beeindruckend aus meiner Sicht: Das Jahre habe die eigenen Erwartungen übertroffen hat, obwohl 53% der 189 operativen Geschäftsbereiche einen Gewinnrückgang verzeichneten. Besonders positiv wirkten sich die gestiegenen Zinserträge aus. Eine Kritik, die ich sehr oft zu Berkshire lese, sind die extrem hohen Cashbestände. Da diese Bestände in kurzfristigen Staatsanleihen angelegt werden, ist der Return meiner Meinung nach aber beachtlich. Auch das Versicherungsgeschäft, insbesondere GEICO, trug maßgeblich zum Erfolg bei. Todd Combs habe GEICO in den letzten fünf Jahren umfassend restrukturiert, die Effizienz gesteigert und die Underwriting-Praktiken modernisiert.
Buffett erwähnt, dass die Preise im Sach- und Haftpflichtversicherungsbereich (P/C) im Jahr 2024 aufgrund der zunehmenden Schäden durch konvektive Stürme gestiegen sind. Er deutet an, dass der Klimawandel möglicherweise seine Auswirkungen zeigt, obwohl ein „Monster“-Ereignis im Jahr 2024 ausblieb. Die Eisenbahn- und Versorgungsbetriebe von Berkshire konnten ihre Gesamtergebnisse verbessern, obwohl noch erhebliches Potenzial vorhanden sei.
Insgesamt verzeichnete Berkshire im Jahr 2024 operative Gewinne von 47,4 Milliarden US-Dollar. Wer die Aktionärsbriefe kennt, wird wie ich wieder über die wiederkehrende Kritik am EBITDA schmunzeln: Er kritisiert die in der Wall Street beliebte Kennzahl EBITDA als fehlerhaft und betont, dass Berkshire stattdessen auf Gewinne nach Abschreibungen, Amortisationen und Einkommensteuern fokussiert.

4. Reinvestition der Gewinne statt Dividende bei Berkshire Hathaway
Ein Absatz war für mich ein ganz schöner Knaller. Der Berkshire Hathaway Shareholder Letter 2024 ist reich an selbstkritischen Betrachtungen. So ist sogar zu lesen, dass die Übernahme von Berkshire Hathaway vor 60 Jahren ein Fehler gewesen sei. Er gesteht ein, dass er die langfristigen Aussichten des Textilunternehmens falsch eingeschätzt hatte, ein Fehler, den Charlie Munger sofort erkannte. Buffett erinnert daran, dass Berkshire 1965 keine Einkommensteuer zahlte. Dies hätte er als Warnsignal für ein Unternehmen auf dem absteigenden Ast sehen sollen.
Doch dann vollzog sich eine bemerkenswerte Wendung: 60 Jahre später zahlte Berkshire Hathaway im Jahr 2024 mit 26,8 Milliarden US-Dollar mehr Körperschaftssteuer als je zuvor ein einzelnes Unternehmen in den USA. Dies entspricht etwa 5% der gesamten von US-Unternehmen gezahlten Körperschaftssteuer. Buffett betont, dass dieser Erfolg auf der konsequenten Reinvestition der Gewinne beruht. Berkshire-Aktionäre erhielten in den letzten 60 Jahren nur eine einzige Bardividende im Jahr 1967. Die kumulierten Einkommensteuerzahlungen an den US-Fiskus belaufen sich mittlerweile auf über 101 Milliarden US-Dollar.

5. Ein Dank an Uncle Sam
Buffett beschreibt auch die Aufteilung von Berkshire Hathaways Investitionen. Einerseits kontrolliert das Unternehmen 189 Tochtergesellschaften, die viele hundert Milliarden Dollar wert sind. Andererseits hält Berkshire Minderheitsbeteiligungen an großen, profitablen Unternehmen wie Apple, American Express, Coca-Cola und Moody’s, deren Wert sich Ende 2024 auf 272 Milliarden US-Dollar belief. Buffett betont, dass Berkshire flexibel in der Wahl seiner Investitionen ist und sowohl kontrollierte Unternehmen als auch Minderheitsbeteiligungen in Betracht zieht, je nachdem, wo das Kapital am besten eingesetzt werden kann.
Trotz einer hohen Cash-Position bleibt Berkshire Hathaway seinen Aktieninvestitionen treu. Buffett warnt vor der Gefahr, dass Papiergeld durch fiskalische Fehlentscheidungen an Wert verlieren kann, und betont die Bedeutung von Sachwerten und Fähigkeiten, um mit monetärer Instabilität umzugehen. Buffett lobt den amerikanischen Kapitalismus, der trotz seiner Mängel und Missbräuche zu einem beispiellosen Wohlstand geführt hat. Abschließend bedankt sich Buffett beim „Onkel Sam“ und hofft, dass Berkshire in Zukunft noch höhere Steuerzahlungen leisten wird.

6. Expansion in Japan und japanische Aktien
Warren Buffett hebt eine wichtige Ausnahme von Berkshire Hathaways Fokus auf US-Investitionen hervor: die wachsenden Beteiligungen an fünf japanischen Unternehmen. Seit fast sechs Jahren investiert Berkshire in ITOCHU, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo, fünf große japanische Konzerne. Alle investieren ähnlich wie Berkshire selbst in diversifizierte Geschäftsfelder. Buffett betont, dass die Entscheidung, in diese Unternehmen zu investieren, auf einer einfachen Analyse ihrer Finanzdaten beruhte. Angesichts der niedrigen Aktienkurse waren die Investments erstaunlich attraktiv.
Die Bewunderung für diese Unternehmen sei im Laufe der Jahre stetig gewachsen und Greg Abel habe regelmäßig Treffen mit ihnen abgehalten. Buffett lobt die Kapitalallokation, das Management und die Aktionärsfreundlichkeit der japanischen Unternehmen. Sie erhöhen ihre Dividenden angemessen, kaufen eigene Aktien zurück und zahlen ihren Top-Managern im Vergleich zu ihren US-Kollegen weniger aggressive Vergütungen.
Für mich sehr interessant zu lesen, da Berkshire zuletzt sehr schnell Positionen reduzierte, die gut liefen: Berkshire plant, seine Beteiligungen an den fünf japanischen Unternehmen langfristig zu halten. Ursprünglich hatte sich Berkshire verpflichtet, seine Beteiligungen unter 10% pro Unternehmen zu halten. Mittlerweile wurde diese Grenze leicht gelockert, sodass Berkshire seine Anteile in Zukunft möglicherweise weiter aufstocken wird. Ende 2024 beliefen sich die japanischen Investitionen auf 13,8 Milliarden US-Dollar, während der Marktwert 23,5 Milliarden US-Dollar betrug.
Buffett erwartet, dass Greg Abel und seine Nachfolger die japanischen Beteiligungen über Jahrzehnte hinweg halten werden und dass Berkshire in Zukunft weitere Möglichkeiten finden wird, mit den fünf Unternehmen zusammenzuarbeiten. Die aktuelle Strategie mit Yen-Schulden sei attraktiv, da die erwarteten Dividendenerträge aus den japanischen Investitionen im Jahr 2025 mit 812 Millionen US-Dollar deutlich höher seien als die Zinskosten der Yen-Schulden mit 135 Millionen US-Dollar.

Zusammenfassung des Berkshire Hathaway Shareholder Letter 2024
Obwohl Berkshire Hathaway sich nicht in meinem Rente mit Dividenden Depot befindet, lese ich die Aktionärsbriefe von Warren Buffet und auch den diesjährigen Berkshire Hathaway Shareholder Letter 2024 sehr gern. Für mich ist Warren Buffet einer der großen Vorbilder des Investierens, weshalb ich beispielsweise auch sein Konzept der Owners Earnings in meine Analysen übernommen habe.
Besonders spannend fand ich im aktuellen Shareholder Letter die selbstkritische Haltung von Warren Buffet. Dass er wieder offen über seinen Nachfolger Greg Abel schrieb, deutet stark darauf hin, dass Warren Buffet möglicherweise bald offiziell seinen Posten abgeben wird. Die Worte zu deinen Investments in japanische Aktien habe ich mit großer Freude gelesen. Zuletzt hatte Berkshire häufig überraschend wieder Positionen von einem auf das andere Quartal verkauft, was für mich wie Trading anmutete. Ich bin selbst auf der Lauer für den Einstieg in Itochu, werde mich aber noch etwas gedulden.
Danke für deine Zeit 🙂
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